Beim Schreiben meiner Mai-Ausgabe ahnte ich schon, dass der viel zu früh eingekehrte Hochsommer einen langen Atem haben würde, aber dass er pünktlich mit seinem kalendarischen Beginn mit einer solch extremen Hitze aufwartet, konnte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Mitte Juni wurden Rekordwerte von 35 Grad erreicht, das Thermometer stieg bis Monatsende Tag für Tag weiter, knackte die 40-Grad-Marke, und auch die Nächte wurden tropisch, so dass nicht wenige Menschen an ihr gesundheitliches Limit kamen.

Für mich ein Grund, wiederum ein schnell erreichbares Ausflugsziel zu wählen und es hieß: „Th…, wir fahr´n nach Lo….“ ..Na, hat es geklappt und Ihnen kam jetzt der einstige Hit von Vicky Leandros, „Theo, wir fahr´n nach Lodz“ in den Sinn? Würde mich freuen…lach… Nein, Spaß bei Seite: Es ging mit meinem Mann Thomas nach Lorch.

Ruckzuck waren wir in Niederheimbach und setzten dort mit der Fähre in wenigen Minuten rüber nach Hessen, in den schönen Rheingau. Kommt man in dem Wein- und Kulturstädtchen Lorch an, zieht der massive Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Martin, der über die Häuser der Stadt ragt, magnetisch an.

Das Wahrzeichen der Stadt wurde im 13.Jahhundert erbaut, und da ich vorher schon im Internet gelesen hatte, dass hier der bedeutendste Schnitzaltar des mittelrheinischen Gebietes stehen soll, war mein Vorfreude auf dieses wertvolle Kunstwerk aus dem Jahr 1483 riesig. Das Kirchentor war schon mal auf, was ja heutzutage außerhalb der Gottesdienstzeiten nicht mehr selbstverständlich ist, aber dann kam die Ernüchterung, denn ein geschlossenes Gitter ließ eine Bewunderung nur aus der Ferne zu.

Gut, dass ich ihn mit der Kamera noch etwas ranzoomen konnte. Wow! Was ist dieser Flügelaltar für ein Juwel. Fast 14 Meter ist er hoch und die geschnitzten Figuren sind so atemberaubend schön, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Die müssen Sie gesehen haben! Na, und ebenso weitere Kostbarkeiten, wie das Chorgestühl aus dem 13. Jahrhundert, den Taufstein (1464) und dann die Orgel, die neben einem wunderschönen Klang eine skurrile Besonderheit hat, so passend zu einer Winzerstadt: Ein Rieslingregister! Also, wenn der Organist dieses Register zieht, soll ein Vogelgezwitscher ertönen und wie durch Zauberhand ein Fach sich öffnen, in dem eine Flasche Riesling und 2 Gläser Wein verborgen sind.

Über eine romantische verwinkelte Steintreppe gings dann nach Besichtigung des historischen Kirchhofs runter zum Hilchenhaus am Rheinufer. Es hat den Ruf, der schönste Renaissance- Bau am Mittelrhein zu sein. Lt. Wikipedia ließ der Feldmarschall Johann Hilchen von Lorch ihn kurz vor seinem Tod zwischen 1546 und 1548 errichten. Bis in die heutige Zeit durchlebte dieses stattliche Gebäude aus verputztem Bruch- und schönem Sandstein eine bewegende Geschichte (nachzulesen bei Wikipedia).

Jetzt ist hier ein Restaurant, eine Vinothek und die Touristen-Info zu finden, ein Rittersaal dient für kulturelle Veranstaltungen, öffentliche Sitzungen und als Standesamt.
Was für ein charmantes Städtchen mit besonderem Reiz Lorch ist, zeigen uns weitere historische Gebäude, die gepflegten hübschen Fachwerkhäuser und malerischen Gassen, die Geschichten aus den vergangenen Jahrhunderten erzählen. Tja, und diese Idylle wird noch damit gekrönt, dass hier ein Flüsschen mit dem romantisch klingenden Namen Wisper direkt in den Rhein mündet.

Überspannt wird es von einem weiteren imposanten Bauwerk: Einer schönen doppelbögigen Brücke, erbaut aus rotem und hellen Sandstein im Jahr 1567. Auf der Brücke empfängt der heilige Nepomuk, Schutzpatron für Brücken und Reisende, in Form einer Sandsteinstatue aus dem 18. Jahrhundert, die Besucher von Lorch.

An der Wisperbrücke kommt man an dem nächsten historischen Bauwerk nicht vorbei: Ein mittelalterlicher Rundturm mit dem Namen „Strunk“, um 1567 erbaut, der zur Überwachung von Brücke und Mündung diente und gleichzeitig Gefängnis war.

Es war kochendheiß, an unserem Tag in Lorch und drum haben wir so viel ungesehen und unbesichtigt hinter uns gelassen, wie z.B. das Kunst- und Heimatmuseum mit seinen Schätzen und die Burgruine Nollig. Haben keines der vielen Weingüter besucht und waren nicht in anderen Stadtteilen, wie Lorchhausen, Wollmerschied, Espenschied oder Ransel, wo es bestimmt das ein oder andere noch entdecken und staunen lässt. Fazit: Lorch ist immer wieder einen Besuch wert.

Kommen Sie gut durch die Hitze!
Ihre R(h)eingeschmeckte
im Hitze-Rekord-Monat Juni 2026