Nun, da der Altweibersommer Einzug hält und die Natur mit klarer Luft, idealem Fotolicht und ihren traumhaften Farben sich nahezu anbiedert, mit ihr die Zeit zu verbringen, habe ich mir gedacht, wir machen heut mal an dieser Stelle einen kleinen Ausflug zur gegenüberliegenden Seite nach Rüdesheim.
Ein jeder Spaziergang an der Rheinpromenade ist damit verbunden, dass man die Aussicht auf das Städtchen zu Füßen der „Germania“ genießt. Ein Besuch lohnt sich, hat Rüdesheim doch mehr zu bieten, als dieses Niederwalddenkmal, die Drosselgasse und den weitläufigen romantischen Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr das 21. Mal aufgebaut wird.

Lassen Sie uns das Auto in Bingen stehen lassen und das blauweiße Schiffchen nehmen, das sie von April bis Ende Oktober (sowie zur Weihnachtsmarktzeit) von der Brücke 5 aus an das andere Ufer bringt. Leider dauert die Fahrzeit nur wenige Minuten, und ein jedes Mal wünsche ich mir, diese kleine Rheinschifffahrt würde länger dauern, ich könnte mich länger an der Aussicht von Bord auf das Rheintal und auf die unseren Weg kreuzenden Schiffe, Boote, Lastkähne und Schleppern aus aller Herren Länder ergötzen und mir den Fahrtwind bei Möwengeschrei um die Nase wehen lassen.

Nach einem knappen Viertelstündchen am „Zielhafen“ angekommen, geht’s Richtung Stadt, und kaum ist die Hauptverkehrsstraße erreicht, stehen wir schon vor der ersten Sehenswürdigkeit, einem klotzigen Kubus aus rauem Stein, der „Brömserburg“ (auch „Niederburg“ genannt) aus dem 4. Jahrhundert, die seit 1950 das Rheingauer Weinmuseum beherbergt.

Vom Mittelalter bis zur Neuzeit zeigt die von März bis Ende Oktober täglich geöffnete Ausstellung in den einzelnen Räumlichkeiten alles, was mit Wein zu tun hat: Küferwerkzeug, Keramik, Gläser, Korken, Etiketten, etc. Erklärt werden Rebsorten und Anbaumethoden, die Geschichte der Weinfässer und Flaschen. Weinproben ab 10 Personen sind nach Terminabsprache unter 06722/2348 möglich.
Dieser interessante Besuch wird Ihnen gefallen, aber lassen Sie uns weitergehen, es gibt noch viel zu entdecken.

Zurück auf der Rheinstraße sind wir, vorbei an unzähligen Souvenirläden und Restaurants, alsbald im mittelalterlichen Stadtkern mit seinen urigen Weinschänken in historischen Fachwerkhäusern. Magnet ist die 144 Meter lange und leider nur 2 Meter breite Drosselgasse, die jährlich immerhin bis zu 3 Millionen Besucher anzieht. Um das zu verstehen oder auch nicht, muss man dagewesen sein.

Was Sie erwartet? Nun, ich versuche es kurz in Stichpunkten: Dirndl, Lifemusik und Tanz ab mittags bis spät in die Nacht in den Lokalen, kitschige Souvenirs, Geselligkeit, Rheingau-Riesling, Gedränge, Speisekarten auch auf Chinesisch, „Rüdesheimer Cafe“, Fachwerkhäuser von Weinreben überrankt, Kopfsteinpflaster, eine Partymeile für die ältere Generation, Kuckucksuhren, lautstarke Animation, überteuerte Preise…. So, jetzt hör ich mal auf, denn es geht weiter…
Wenn man es denn dann schafft, sich durchzuwühlen und irgendwann das Ende der Drosselgasse erreicht, so ist man ganz in der Nähe eines Museums. „Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett“ lockt unter dem gelungenen Wortspiel „Ihre Ohren werden Augen machen“ in der Oberstraße täglich von März bis Dezember mit Datenspeichermusikinstrumenten aus 3 Jahrhunderten.



Ich schlage aber vor, in die andere Richtung zu gehen, vorbei an noch mehr Souvenirläden, und auch das mittelalterliche Foltermuseum, möge es noch so neugierig machen, für den nächsten Besuch in Rüdesheim aufzusparen, denn wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit, und ich möchte Ihnen das zeigen, was ich in Rüdesheim am liebsten mache, nämlich über den Reben schweben!!

Ich weiß gar nicht, wie oft ich mittlerweile schon mit der Kabinenseilbahn von der Talstation in der Oberstraße aus (direkt neben dem ganzjährig geöffneten Weihnachstfachgeschäft von Käthe Wohlfahrt) hoch zum Niederwalddenkmal – im wahrsten Sinne des Wortes – geschwebt bin. Werde meine anfängliche Skepsis vor meiner ersten Fahrt hinsichtlich eines technischen Versagens und meine Panik, als das Fahrwerk für kurze Zeit die Gondeln hoch über den Reben stoppen ließ, nie vergessen.

Ich bin aber so froh, meine Ängste besiegt zu haben, denn der herrliche Panoramablick auf die Dächer der Altstadt, den „Vater Rhein“ und die angebauten Weinstöcke ist ein jedes Mal reiche Belohnung. Es ist einfach nur zu schön, aber ich erspare Ihnen jetzt mal meine Schwärmerei, könnte sonst Seiten beanspruchen…
Oben angekommen, geht’s zum Niederwalddenkmal und zum Niederwaldtempel, beide Sehenswürdigkeiten mit fantastischer Aussicht auf den Rhein und unser Bingen.

Mit dem Blick auf unser Bingen vor meinem geistigen Auge, schließe ich mal für heute, obwohl es noch einiges zu sehen gibt in Rüdesheim, aber ich denke, für den ersten Besuch reicht das Beschriebene. Ich hoffe, auch Sie haben – wie ich - diesen Ausflug in Worten und Bildern genossen und er hat Lust auf mehr gemacht. Beim nächsten Mal werde ich mir ganz bestimmt die Benedektinerinnenabtei St. Hildegard anschauen, die so malerisch über Rüdesheim thront.

An einem Altweibersommertag mit vielen Sonnenstunden grüßt
die „R(h)eingeschmeckte“
im September 2014